Was bedeutet eine fehlende Verhaltensbeurteilung im Arbeitszeugnis?
«Zeugnis ohne Verhaltensbeurteilung»
Was bedeutet das?
Ein Vollzeugnis muss sich nach Art. 330a OR über Leistungen und Verhalten äussern — beides. Fehlt die Verhaltensbeurteilung vollständig, ist das Zeugnis unvollständig, und die Auslassung ist beredt: Zum Verhalten wollte der Arbeitgeber nichts Wohlwollendes schreiben, und etwas Negatives durfte er nicht andeuten. Also schwieg er. HR-Fachleute bemerken diese Lücke sofort, weil die Verhaltensbeurteilung zu den festen Bausteinen jedes Zeugnisses gehört; ihr Fehlen fällt stärker auf als eine mittelmässige Formulierung. Abzugrenzen ist der Fall von der Arbeitsbestätigung, die bewusst ohne jede Beurteilung auskommt.
Wirkung auf die Note
Die Vollständigkeitsdimension sinkt um rund einen Punkt. Gravierender: Der Verhaltensdimension fehlt jede Grundlage — und ein fehlender Pflichtbaustein darf nie zu einer guten Note führen. Das Gesamtbild kippt damit deutlich nach unten, auch wenn die Leistungsbeurteilung stark ist.
Was tun?
Verlangen Sie die Ergänzung der Verhaltensbeurteilung — das ist keine Bitte um Kulanz, sondern die Einforderung eines gesetzlichen Anspruchs auf ein vollständiges Zeugnis. Die Beurteilung soll das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kundschaft qualifizieren. War das Verhältnis belastet, haben Sie immer noch Anspruch auf eine wahre, wohlwollend formulierte und klare Aussage — ganz weglassen darf der Arbeitgeber sie nicht.
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