Was bedeutet «hat unsere Erwartungen grösstenteils erfüllt» im Arbeitszeugnis?
«hat unsere Erwartungen grösstenteils erfüllt»
Was bedeutet das?
Diese modern klingende Variante der Erwartungs-Formel trägt ihre Abwertung offen im Wort «grösstenteils»: Die Erwartungen wurden eben nicht vollständig erfüllt. Erwartungs-Formulierungen sind ohnehin die nüchternste Art, Leistung zu beschreiben — ohne Zufriedenheits-Aussage, ohne Wärme. Kommt dann noch eine Teilmengen-Angabe dazu, ist die Botschaft eindeutig: Es blieb ein Rest, der nicht stimmte. HR-Fachleute lesen den Satz als bewusst gewählte, ungenügende Bewertung in zeitgemässem Gewand. Erwartungs-Formeln stammen oft aus internationalen oder konzernweiten Vorlagen; an der Schweizer Lesart ändert das nichts — ohne uneingeschränkte Erfüllung oder eine Zufriedenheits-Aussage bleibt die Bewertung ungenügend.
Wirkung auf die Note
Note 3 auf der Leistungsskala, gleichauf mit «im Grossen und Ganzen zufrieden». Ohne deutliche Gegengewichte in anderen Dimensionen führt das in den roten Ampelbereich — die Leistungsdimension wiegt mit 35 Prozent am schwersten.
Was tun?
Bitten Sie um eine klare, positive Leistungsaussage nach der klassischen Zufriedenheitsskala, sofern Ihre Leistung das hergibt — zum Beispiel «erledigte die Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit». Die Argumentation: Das Klarheitsgebot verlangt eindeutige Aussagen, und Teilmengen-Formulierungen wie «grösstenteils» lassen den entscheidenden Teil — was denn nicht erfüllt wurde — bewusst offen. Genau diese Unbestimmtheit ist korrekturwürdig.
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